Geflüchtet!

(Punkt 5 auf der Karte)

Campingplätze, wie wir sie kennen, gibt es in Russland nicht. Die Russen, die zelten möchten, stellen ihr Zelt irgendwo in der freien Natur hin und machen ein grosses Feuer (gegen die Kälte und die Mücken).

Auf der Insel Sakhalin haben wir an der Küste etwas oberhalb eines solchen „Festzeltes“ übernachtet. Ein andermal haben wir auf dem Parkplatzes eines Denkmals geschlafen. Dies alles mit einem guten Gefühl.

Als wir hier auf dem Festland einen solchen Stellplatz abseits der Strasse suchten, wurden wir inmitten im Nirgendwo fündig. Es waren zwei kleine Weiher: ein Übrigbleibsel eines Steinbruches für den Strassenbau. Wir parkten und richteten uns für die Nacht ein.

Plötzlich hörten wir ein Autogeräusch und oberhalb der Strasse zu den Weiher sahen wir den Kühlergrill eines Offroaders. Das Fahrzeug wartete ein paar Sekunden, fuhr zurück, wendete und rauschte davon.

Wir dachten nichts dabei und nahmen unser Nachtessen und Dani ein kühles Bier zu sich. Alles wie gewöhnlich. Nach dem Nachtessen schlug Anita noch einen kleinen Spaziergang vor. Ok, wir stiegen etwas zum Steinbruch hinauf und spazierten um eine Kurve. Hinter dieser Kurve sahen wir dann zwei Russen, die zu den Weihern hinunterschauten. Haben die uns die ganze Zeit beobachtet? Waren dies die beiden mit dem Offroader?

Wir kehrten schleunigst um, stiegen in unser Fahrzeug und fuhren davon – nicht gerade mit rauchenden Reifen, jedoch zügig. Anita fuhr das erste Mal auf russischen Strassen. Mehr oder weniger gekonnt wich sie den Schlaglöchern aus. Zum Glück hatte Dani vorher ein Bier zur Beruhigung getrunken. Erst nach rund 60 km bei der ersten überwachten Tankstelle mit 24-Stunden-Betrieb haben wir gehalten. Hier fühlten wir uns wieder auf sicherem Boden und übernachteten.

Vielleicht taten wir den beiden Unrecht, doch Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste!