Korsakov

Einreise geklappt!

(Punkt 1 auf der Karte)

Am frühen Morgen des 19. Juni fuhren wir mit etwas mulmigem Gefühl die letzten 100 Meter auf japanischem Boden. Mulmig nicht (oder nicht nur) wegen der bevorstehenden Aus- und Einreiseformalitäten sondern vor allem deswegen, weil wir mit unseren CH-Kennzeichen noch auf japanischen Strassen herumkurven mussten. Doch es ging gut, keine Polizei war in der Nähe!

Mit einer perfekten Unterstützung durch das Personal der Fährgesellschaft war die Fahrzeugkontrolle der Zollbehörde schnell erledigt und wir konnten das Fahrzeug verladen. Puh, dies ging schon mal problemlos! Was erwartet uns wohl auf der russischen Seite?

Da der Wetterbericht gut war, verzichteten wir auf die Tabletten gegen die Seekrankheit. Die Überfahrt verlief ruhig.

Wie geplant sind wir um 16:30 Uhr (Zeitumstellung von 2 Stunden, obwohl wir nur rund 100 km nordwärts fuhren!?) in Korsakov ankommen. Die anderen Passagiere versammelten sich beim Ausgang. Da wir die einzigen mit einem Fahrzeug waren, wurden wir angewiesen, im Vorraum zu warten. Wir sahen, wie im Nebenraum ein Sitzungsraum eingerichtet wurde. Dann kam Hektik auf: fünf russische Personen wurden begrüsst. Dani musste in den Sitzungsraum, Anita war nicht erwünscht. Kopien unserer diversen Dokumente wurden geprüft und mussten durch uns unterschrieben werden. Verstanden haben wir nichts, der eine Russe hat Dani immer gezeigt, was er wo schreiben musste. Der „Chef“-Zöllner stand dann plötzlich auf und ging die Treppe hinunter. Der „Dolmetscher“-Zöllner zerrte Dani vom Stuhl und zog ihn in den Laderaum der Fähre: Kofferraum und alle anderen Türen öffnen, Taschen öffnen, die eingepackten Souvenirs von Anita auspacken, Veloträger erklären, Motornummer zeigen etc. Der „Chef“-Zöllner prüfte alles, ein kurzes Nicken und dann rauschte er davon. Die Abnahme war erfolgt!

Dann ging es zurück zu den anderen Passagieren und wir warteten darauf, dass wir das Schiff verlassen dürfen. Am Hafen stand ein Bus. In diesen Bus mussten alle einsteigen und dann fuhren wir zur Passkontrolle. Ein Ukrainer und wir waren die einzigen, die keine Immigrationskarte hatten (vorher auf der Fähre haben wir das japanische Personal gefragt, ob wir irgendwelche Einreiseformulare ausfüllen müssen. Nein, nein hiess es!). Die anderen Passagiere waren alles Russen oder Japaner, die wohl keine solche Karte brauchen.

Deshalb zurück und die Karte ausfüllen (mit Hilfe einer russischen Frau ging dies problemlos) und nochmals anstehen. Die Passkontrolle war schnell erledigt. Dann musste Dani wieder zum Bus. Dieser fuhr ihn zurück zum Schiff, damit er das Fahrzeug aus der Fähre ausladen kann. Zwei Stunden nach Ankunft fuhren wir durch die Schranken des Hafens.

Wo nun übernachten? Nach einer kurzen Ortsbesichtigung stand für uns fest, dass wir hier in Korsakov nicht im Fahrzeug übernachten wollten. Auf der Fähre haben wir zum Glück einen russischen Werbeprospekt über die Insel Sakhalin und mit 4 Ortsplänen gefunden. Natürlich war alles in russischer und japanischer Schrift geschrieben. Aber H heisst ja entweder Hotel oder Hospital, haben wir uns gedacht. Dank Navi war das Hotel schnell gefunden und mit Hilfe des illustrierten Wörterbuches konnten wir ein Zimmer – wenn auch etwas harzig – buchen. Das anschliessende Nachtessen schmeckte überraschend gut.

Am anderen Morgen sahen wir uns nochmals Korsakov und die nähere Umgebung an. Vielsprechend war es nicht. Die verfallenen oder halb fertiggestellten Häuser getrauten wir uns erst gar nicht zu fotografieren.

Auf dem Markt war unser Fahrzeug gleich umzingelt. Sie bestaunten den Veloträger und läuteten die Glocke. Das Angebot auf dem Markt war auch für Vegetarier vielfältig. Das Café mit den Biertapeten war einfach, die Wirtin äusserst liebenswürdig. An sich ein gelungener Einstieg, wenn da die Häuserruinen, die marode Infrastruktur und der allgegenwärtige Abfall nicht wären!